Baja 300 MD: Mein Rennbericht

Geil..Geil...Geil! Was für ein Event. Über 339 Starter. Allein bei den Pkw/Lkw/Side by Side starten wir mit 129 Fahrzeugen. Unter Anderen Gerard De Rooy (Dakar Sieger 2012) mit seinen Iveco, Matthias Behringer in seinem MAN, weitere Dakar-Teilnehmer in ihren Bowlern und Mitsubishi Evos sowie die starken Lennson CC Mercedes von Stensky und Köpp sind unsere Konkurenten.

Start war am Freitag und Samstag jeweils um 13:00 Uhr, wo wir in Fünfer-Gruppen starten. Ende des Rennens ist nach 6 Stunden, jeweils um 19:00 Uhr.

Tag 01

Unseren Gruppen-Start von Startplatz 26 am Freitag gewinnen wir locker und so rasen wir den vor uns Gestarteten hinterher. Navigator Mark macht einen prima Job, ich konzentriere mich nur aufs Fahren. Nach 10 Minuten überholen wir die ersten Fahrzeuge. Das hört sich jetzt alles sehr einach an, war es aber nicht.

Es hatte Tags vorher sowie in der Nacht geregnet und der schwarze Kohlestaub verwandelte sich in eine reine Schlamm und Matschpiste durchsetzt mit einigen tiefen Wasser-/Schlammlöchern. "Wir sind bei der Baja 300 und nicht auf der Breslau" schoss es uns durch den Kopf.

Aber unser "Rebell" VW Bulli T3 Syncro geht wie die Rakete, hat Grip ohne Ende - und ich konnte in Rottleben (GORM Lauf 1/2013) ja Schlamm fahren üben. Wir werden nur von De Rooy und einem Bowler überholt, das bedeutet, wir sind gut unterwegs.

Manchmal rutschen wir von der Idealspur in den Schlamm, kämpfen uns durch den tiefen Modder. Auch die Überholmanöver sind nicht unkritisch. Stellt Euch vor, der Rebell war jetzt braun-schwarz anstatt "Porsche-Gelb" mit einer ca. 3 mm dicken Schlammschicht überzogen. Sicht hatten wir wie alle Teilnehmer nur noch nach vorne. Und nicht jeder hörte unsere Hupe.

Zwei Beispiele: Wir fahren, besser rasen zu einen Landrover auf (an dieser Stelle von den zahlreichen Zuschauern beobachtet) was mich noch mehr anspornt, diesen auch genau hier in einer Rechtskurve bei hohen Tempo innen zu überholen. Der Landroverfahrer sieht mich nicht, bleibt auch auf dem Gas - so kommt es zum unausweichlichen Kontakt. Aber nichts passiert und ich bin vorbei.

Später ist ein Lkw unserem Drang nach mehr Speed im Weg. Hupen! Hupen! Er macht keinen Platz. Also dort Überholen wo kein Platz ist. Ja der Rausch ist zu gross. Wir gehen links am Lkw vorbei, er gibt nicht nach. Beide mit Vollgas über die Pampa. Nur uns geht der Weg aus. Ein kleiner mit Bäumen bewachsener Hügel kommt bedrohlich nahe.

Ich muss mich entscheiden, abbremsen oder links vorbei am Hügel und den Truck erst mal fahren lassen. Aber zu spät: Ich ziehe nach rechts, das Heck bricht aus, im Drift auf den Hügel zu, mit dem linken Vorderrad und Hinterrad erwische ich den Hügel. Es sind noch 10 cm Platz zwischen Lkw und Rebell, als dieser schliesslich schräg am Lkw vorbeifliegt. Was sage ich zu Mark: "Das war nicht gut." Mark: "Aber du hast es geschafft."

20 km vor dem Ziel, nach ca. 200 km (5 Stunden) zurückgelegter Strecke treffen wir unseren Landrover-Fahrer wieder. Diesmal neben der Strecke. Er hat Temperatur Probleme, der Kühler des Fahrzeugs ist voll Schlamm. Wir halten neben ihm. Die Schrauben zur Befestigung des Lenkgetriebes sind bis auf Eine abgerissen.

Der Landy-Fahrer borgt sich bei uns Werkzeug, kurz erwähnt er nur unseren „Kontakt“. Dann fahren Sie wieder weiter. Mark möchte nicht aufgeben und so fahren wir weiter in die Strecke um nach zwei weiteren Kilometern ohne Lenkung geradeaus in eine Wiese zu rutschen.

Wir holen unser Zugfahrzeug, laden den orientierungslosen Rallybus auf den Hänger und fahren zurück ins Camp zum Reparieren. Nachts um 3:00 Uhr komme ich dann endlich zum Schlafen, um dann gleich gegen 5:00 Uhr von den ersten Motorrädern wieder geweckt zu werden. Ich bin so müde. Aber es hilft nichts.

Wir müssen Tanken fahren und den Bus waschen, damit man ihn auch erkennt. Kaum wieder im Camp angelangt stehen auch schon einige Bulli-Fans am Fahrzeug. Es bleibt uns leider nur wenig Zeit für Gespräche, da unser Start in die 2. Etappe starten muss.

Tag 02

Wir starten als 23. Diese Platzierung haben wir nicht erwartet, da wir dreimal den CP 5 nicht finden, bzw. vorbeinavigieren. So haben wir neben dem nicht erreichten Ziel auch noch zusätzlich 3 Stunden Strafzeit gesammelt. Zusammen 360 Minuten. Aber das ist wohl auch 100 weiteren Navigatoren passiert.

Es wird in Dreier-Gruppen gestartet. Links neben uns die Favoriten Stensky/Stensky im Lennson CC (später Dritte), rechts neben uns ein Mitsubishi Evo. Ich fühle mich geehrt, was für einen Startreihe.

Unser Plan: Lass sie ziehen, wir werden sie wieder sehen auf der Strecke. Es sind ja wieder 200 Kilometer zu fahren. Wir dürfen keinen Navigationsfehler mehr machen und müssen die erste Runde etwas konzentrierter fahren. Der Plan geht auf.

Die Strecke ist heute fast komplett bis auf wenige Schlammpassagen abgetrocknet und auch mit vielen Highspeed-Passagen gespickt. Leute was soll ich erzählen. Wir fahren wie im Rausch, Racing pur. Hierfür habe ich Monate gearbeitet und der Rally-Bus belohnt mich. Ich erzähle hier nur von einer von vielen ähnlichen Situationen:

Wir sehen Lee Amthor mit seinem schwarzen V8 Range Rover (u.a. 2. der Baja Saxonia 2011, Gewinner der Tuareg Rallye 2011) der hinter einem Racetruck hängt und nicht so richtig vorbei kommt. Wir schliessen auf die beiden Fahrzeuge auf und versuchen Lee zu überholen. Auf der Pflaster-Strasse (ja, das gab es auch) ist es soweit. Nach 400 Metern wird diese durch Häuser begrenzt. Es bietet sich die Chance.

Lee will rechts an dem Truck vorbei, ich ziehe nach links auf die Wiese um hier zu überholen. Plötzlich zieht der Lkw nach rechts, Lee Amthor nach links, ich weiter nach links und so rasen wir zu dritt nebeneinander auf die Häuser zu, Platz ist aber nur für ein Fahrzeug. Also ich Gas weg. Lee kommt zuerst am Lkw vorbei, dann wir.

Alles hat noch gepasst. Drei Kilometer später schnappen wir uns auch Lee. Der uns später wieder überholt, wir haben seinen Kampfgeist anscheinend wieder wachgerüttelt. Wir können nicht mehr mithalten, ich habe keinen richtigen Bremsdruck mehr. Wir beschliessen langsam zu fahren. Hauptsache ist nun, das Ziel zu erreichen.

Es sind nur noch ca 35 km zu fahren. Einem lauten "Klong" folgt das Ende der Ausfahrt. Mitten auf der Strecke stehend stellen wir einen Bruch des linken vorderen Radträgers fest.

Der Rest ist schnell erzählt: Warndreieck aufstellen, mit Spanngurten den Träger irgendwie fixieren und den Rallybus drei Meter neben die Strecke aus der Gefahrenzone stellen. 6 Stunden Auf den Abschlepper warten, der dann unser havariertes Fahrzeug ins Camp mit gefühlter Rallygeschwindigkeit transportiert. Wir sitzen dabei im Rallybus. Eine ganz neue Erfahrung. Fliegen ist nicht schöner.

Unser Resümee: 8 Stunden lang sind wir sehr schnell unterwegs gewesen. Die neue Getriebeübersetzung passt perfekt zum Motor. Jetzt gehen die Teile defekt, die sonst immer gehalten haben. So ist das.

Wir werden schneller und schneller, nähern uns immer weiter der Spitze, was bedeuted, dass der Verschleiss immer grösser wird und weitere Teile verstärkt werden müssen. Was wir in den kommenden Wochen auch tun werden. Und: Mein Racer-Herz wird immer grösser (besser gesagt: Die Sucht nach den nächsten Rennen wächst). Euer Bernd

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